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Vom Referenzfoto zum Skizzieren vor Ort: So gelingt der Übergang

Um von Referenzfotos zum Skizzieren vor Ort überzugehen, behalten Sie die Aspekte der Fotopraxis bei, die Ihnen beim Treffen von Entscheidungen helfen – das Wählen eines Bildausschnitts, das Erkennen großer Formen und das Planen eines Schwerpunkts –, zeichnen Sie jedoch, indem Sie den Blick immer wieder zwischen Motiv und Seite hin- und herwandern lassen. Beginnen Sie mit einem vertrauten, einfachen Motiv und einer kurzen Sitzung. Ihr erstes Ziel ist es, die Hauptformen und ihre Beziehungen zueinander zu platzieren; Details können warten. Das macht den Übergang überschaubar und trägt gleichzeitig dem Rechnung, was ein Foto nicht für Sie tun kann: einen lebendigen Blickwinkel bieten, der sich beim Hinsehen verändert, sowie Licht und Bewegung, die sich während des Skizzierens wandeln können.

09. Oktober 202610 Min. LesezeitAlltagsästhetik & persönlicher AusdruckVon Metlivi Editorial Team
Abschnitt 1

Was ändert sich, wenn Sie das Foto hinter sich lassen?

Ein Foto liefert ein fixes, zweidimensionales Bild mit bereits festgelegten Begrenzungen. Im Freien wählen Sie den Bildausschnitt selbst, und Ihr Blickwinkel kann sich verändern, wenn Sie Ihre Sitzposition verlagern, den Kopf neigen oder von der Seite zur Szene blicken. Auch das Licht kann wandern oder sich verändern, während Sie arbeiten. Die praktische Anpassung besteht darin, den ersten Blick als eine Reihe von Entscheidungen zu begreifen und nicht als perfekten Schnappschuss, den man exakt kopieren muss.

Das bedeutet nicht, dass Ihre Erfahrung mit Fotos wertlos ist. Ein Sucherrahmen kann helfen, eine Szene zu isolieren, und Vorzeichnungen erleichtern die Bildkomposition. Art UK empfiehlt die Verwendung eines Papier-Sucherrahmens für Malaktivitäten im Freien, während ein von Artists Network beschriebener Arbeitsablauf vor Ort vorsieht, vor der eigentlichen Arbeit einen Sucher und kleine Tonwertskizzen zu nutzen. Übernehmen Sie für das Skizzieren diese Entscheidungsschritte und vereinfachen Sie das Material: Wählen Sie die Ansicht, identifizieren Sie die großen Formen und beginnen Sie damit.

Abschnitt 2

Vorab: Entscheidungen anhand eines Fotos durchspielen

Verwenden Sie ein Foto eines Ortes, den Sie besuchen können, oder ein Foto mit einem klaren Motiv, wie etwa einem Gebäude neben einem Baum. Zeichnen Sie zwei oder drei winzige Rechtecke in Ihr Skizzenbuch. Testen Sie in jedem einen anderen Bildausschnitt: Nehmen Sie mehr Himmel auf, rücken Sie das Hauptmotiv näher an einen Rand oder reduzieren Sie den Vordergrund. Dies ist eine Planungsübung und keine Verpflichtung, das Foto vor Ort exakt nachzubilden.

Zeichnen Sie in der bevorzugten Variante nur den Horizont oder wichtige Führungslinien sowie einige wenige große Formen ein. Achten Sie darauf, welche Formen einander berühren, überlappen oder Freiräume lassen. Vielleicht sehen Sie ein dunkles Dach vor einem hellen Himmel, einen Weg, der zum unteren Rand hin breiter wird, oder eine Baummasse, die ein Gebäude teilweise verdeckt. Der Pleinair-Leitfaden von Artists Network empfiehlt, Szenen vor dem Hinzufügen von Details auf wenige Formen und Tonwerte zu reduzieren. Wenden Sie dieses Prinzip hier an, um festzulegen, worauf Sie im Freien achten sollten – nicht als starre Regel, dass jede Skizze eine feste Anzahl von Tonwerten aufweisen muss. Artists Network, „Plein Air Landscape Painting: Your Guide to Getting Started“

Notieren Sie sich eine Leitfrage für unterwegs: „Wo trifft die Dachlinie auf den Baum?“ oder „Wie viel vom Weg ist von der Bank aus sichtbar?“ Eine Frage gibt Ihrer ersten Beobachtung eine konkrete Aufgabe. Prüfen Sie nach Ihrer Ankunft, ob der reale Ort mit dem Ausschnitt und den Proportionen Ihres Fotos übereinstimmt. Wenn nicht, passen Sie das kleine Rechteck an das an, was Sie tatsächlich sehen.

Abschnitt 3

Packen Sie eine kleine, unkomplizierte Ausrüstung ein

Nehmen Sie für die erste Sitzung ein Skizzenbuch oder einen Zeichenblock mit fester Rückseite mit, dazu einen vertrauten Bleistift oder Fineliner und einen Radiergummi, falls Ihr gewähltes Medium einen erfordert. Ein kleineres Format lässt sich leichter halten und bietet Raum für mehrere Versuche, ohne dass eine einzelne Seite direkt den Anspruch eines fertigen Bildes erhebt. Der Freiluft-Leitfaden von Art UK empfiehlt ein Zeichenbrett oder einen Block mit festem Einband als feste Unterlage; dieser praktische Tipp hilft auch dann, wenn Sie nur ein Skizzenbuch dabei haben.

Wählen Sie einen Platz, an dem Sie stehen oder sitzen können, ohne Gehwege zu blockieren oder alle paar Minuten ausweichen zu müssen. Eine Parkbank, eine ruhige Straßenecke oder der Blick von einem Cafétisch eignen sich gut. Das Manifest von Urban Sketchers beschreibt das Zeichnen vor Ort in Innenräumen oder im Freien nach direkter Beobachtung, wobei vorhandene Gelegenheiten wie Bänke oder Mauern als Stütze genutzt werden. Für den Einstieg benötigen Sie keine Spezialausrüstung. Urban Sketchers, „Urban Sketchers’ Manifesto“ (PDF)

Abschnitt 4

Vor Ort: Einen Blickwinkel wählen und eingrenzen

Halten Sie vor dem Aufschlagen des Skizzenbuchs kurz inne und sehen Sie sich um. Wählen Sie ein Motiv, das sich einfach erfassen lässt: zum Beispiel eine Schaufensterfront mit einem Baum davor, eine Fußgängerbrücke über einem Gewässer oder eine Gebäudeecke an einer Straße. Treten Sie ein Stück nach links oder rechts, falls ein Objekt im Vordergrund das gewünschte Motiv verdeckt. Entscheiden Sie dann, ob das Hoch- oder Querformat besser passt, und nutzen Sie Ihre Finger oder einen Papierrahmen, um die Ränder vorab festzulegen.

Vergleichen Sie diesen Blick mit Ihrer Vorstudie nach dem Foto. Behalten Sie nützliche Ansätze bei, wie etwa die ungefähre Position des Horizonts oder einer großen dunklen Fläche, aber lassen Sie die tatsächliche Szene über die Zeichnung entscheiden. Das Foto könnte aus einer anderen Höhe, einem anderen Winkel oder zu einer anderen Tageszeit aufgenommen worden sein. Fazit aus den Quellen: Da sowohl Bildausschnitt als auch Lichtverhältnisse variieren können, eignet sich das Foto ideal als Trockenübung zum Auswählen und Vereinfachen, während der Blick vor Ort die realen Gegebenheiten für diese Skizze liefert.

Abschnitt 5

Große Formen anlegen, bevor Details gezeichnet werden

Beginnen Sie mit einer Thumbnail-Skizze – klein genug, um schnell fertig zu werden. Markieren Sie mit leichten Strichen die oberen und unteren Begrenzungen des Hauptmotivs, den Horizont (sofern vorhanden) sowie zwei bis drei große Formen. Betrachten Sie einen Baum als zusammenhängende Masse, bevor Sie Blätter zeichnen, und ein Gebäude als Anordnung von Flächen, bevor Sie Fenster markieren. Die Zeichenlektion der National Gallery of Art führt schnelle Gestikskizzen und einfache Konturierungsansätze ein; ihre Landschaftsaufgabe schlägt ebenfalls vor, eine Außenszene aus einfachen Formen aufzubauen. National Gallery of Art, „Lesson: Drawing Everyday Objects“; National Gallery of Art, „Mindful Drawing: Activities that Embrace Experimentation“

Vergleichen Sie nun Ihre Skizze mit dem Motiv – ein Verhältnis nach dem anderen. Ist der Baum höher als das Dach oder gleich hoch? Beginnt der Weg direkt am Blattrand oder bleibt darunter ein Stück Gras sichtbar? Ist die Lücke zwischen zwei Gebäuden breiter als das schmalere Gebäude selbst? Als simples Messwerkzeug können Sie einen mit ausgestrecktem Arm gehaltenen Stift nutzen: Halten Sie den Arm gestreckt und messen Sie ein Element gegen ein anderes ab, ohne den Stift zwischen den Vergleichen zu bewegen. Es geht nicht um millimetergenaue Präzision, sondern um eine verlässliche Kontrolle gegen das bloße Raten aus dem Gedächtnis.

Wenn die großen Proportionen stimmig wirken, ergänzen Sie ein paar unterstützende Linien: eine Fensterreihe, ein Geländer, einen Baumstamm oder die Kante eines Schattens. Richten Sie Ihren Blick immer wieder auf das Motiv. Schauen Sie nach wenigen Strichen wieder auf und korrigieren Sie die wichtigsten Punkte. Frühe kleine Korrekturen sind leichter umzusetzen, als eine ganze Seite retten zu müssen, nachdem sie bereits mit Details überladen ist.

Abschnitt 6

Ein kompakter Ablauf für den ersten Ausflug

Probieren Sie diesen Ablauf in einer kompakten Einheit aus. Die Zeitangaben dienen als Orientierung und sind keine starre Vorgabe; passen Sie sie flexibel an Ihre Umgebung an.

Wenn sich die Szene während des Zeichnens verändert, entscheiden Sie, ob Sie die ursprüngliche Anordnung beibehalten oder die Skizze anpassen möchten. Bei einer vorbeigehenden Person oder einem fahrenden Fahrzeug genügt es oft, die Position kurz festzuhalten und mit der statischen Umgebung fortzufahren. Wandert ein Schatten und verändert das Hell-Dunkel-Gefüge der Szene wesentlich, machen Sie eine kurze Notiz oder eine kleine Zusatzstudie, bevor er sich weiterbewegt. Der Freiluft-Arbeitsablauf von Artists Network weist ausdrücklich darauf hin, dass Schatten und Wolken in Bewegung sind, und rät dazu, die grundlegenden Muster frühzeitig festzulegen. Diese Empfehlung stammt aus der Malerei, gilt jedoch genauso, wenn eine beobachtende Zeichnung von einem vorübergehenden Schattenwurf lebt. Artists Network, „Plein Air Landscape Painting: Your Guide to Getting Started“

Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um einen stabilen Blickwinkel zu finden und zu entscheiden, was Teil der Skizze sein soll.
Zeichnen Sie eine kleine Thumbnail-Skizze zur Komposition. Beschränken Sie sich dabei auf den Außenrahmen und die großen Formen.
Gleichen Sie zwei oder drei Proportionen mit der realen Szene ab. Korrigieren Sie die Miniaturskizze bei Bedarf.
Beginnen Sie eine größere Zeichnung aus derselben Perspektive und übertragen Sie die Hauptpositionen, statt das Thumbnail mechanisch durchzupausen.
Fügen Sie nur Details hinzu, die den Ort charakterisieren oder eine Form verdeutlichen. Halten Sie zwischendurch einmal inne, um die gesamte Seite mit der gesamten Szene abzugleichen.
Notieren Sie sich zum Schluss den Ort oder eine bestimmte Beobachtung, wie „Schatten unter der Markise“ oder „Weg verengt sich hinter der Bank“. Urban Sketchers versteht Vor-Ort-Zeichnungen als Zeugnisse von Zeit und Raum; eine kurze Notiz hilft dabei, Dinge im Gedächtnis zu behalten, die die Zeichnung allein vielleicht nicht zeigt. Urban Sketchers, „Urban Sketchers’ Manifesto“ (PDF)
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Wie Sie Fotos nach der Sitzung nutzen können

Vergleichen Sie Ihre vor Ort entstandene Skizze nach Ihrer Rückkehr mit dem Referenzfoto, falls Sie eines haben. Bewerten Sie die Skizze nicht danach, wie exakt sie dem Foto gleicht. Suchen Sie stattdessen nach einem konkreten Unterschied, den Sie beim nächsten Mal genauer untersuchen können: Vielleicht hat der Bildausschnitt des Fotos dazu verleitet, das Gebäude zu mittig zu platzieren, oder der reale Blick hat den Weg im Vordergrund wichtiger wirken lassen als gedacht. Schreiben Sie eine Beobachtung neben die Zeichnung.

Das Foto kann auch dabei helfen, Details zu erkennen, die Sie vor Ort nicht fertigstellen konnten. Kennzeichnen Sie spätere Ergänzungen jedoch, damit nachvollziehbar bleibt, welche Striche aus der direkten Beobachtung und welche von der Vorlage stammen. Diese Unterscheidung ist eine praktische Dokumentation Ihrer Arbeitsweise und kein Werturteil über die Zeichnung. Das Manifest von Urban Sketchers stellt das Zeichnen vor Ort auf Basis direkter Beobachtung und das Festhalten der Umgebung in den Mittelpunkt; die spätere Verwendung eines Fotos als Referenz ist ein vom eigentlichen Beobachten vor Ort getrennter Schritt.

Abschnitt 8

Häufige Probleme bei den ersten Versuchen lösen

Die Seite wirkt überladen. Hören Sie auf, weitere Details hinzuzufügen, und überprüfen Sie den Bildausschnitt. Ein enger gefasster Ausschnitt ist oft einfacher, als den gesamten Blickwinkel einfangen zu wollen. Zeichnen Sie ein zweites Thumbnail mit weniger Elementen, bevor Sie die größere Zeichnung überarbeiten.

Die Skizze wirkt flach wie eine reine Umrisszeichnung. Bestimmen Sie, welche großen Bereiche hell, mittel und dunkel sind. Fügen Sie einige breite Tonwertflächen oder Schraffuren ein, sodass die Kanten der Objekte dem Gesamtgefüge untergeordnet bleiben. Die Zeichenlektion der National Gallery of Art beschreibt, wie Druckstärke, Schraffuren und Kreuzschraffuren genutzt werden können, um Tonwertabstufungen und Plastizität darzustellen.

Sie blicken zu oft nach unten und verlieren die Proportionen aus den Augen. Halten Sie nach wenigen Strichen inne und blicken Sie wieder zum Motiv. Beginnen Sie erneut mit einem großen Größenverhältnis – etwa der Höhe eines Durchgangs im Vergleich zu seiner Breite –, anstatt zu versuchen, jede Linie auf einmal zu korrigieren.

Die Szene wirkt zu komplex. Wählen Sie einen kleineren Ausschnitt: ein einzelnes Portal, eine Ecke mit einem Baum oder eine Brücke samt Spiegelung im Wasser. Der Workshop von Urban Sketchers zum Einfangen einer Ortsatmosphäre betont, wie wichtig das Filtern von Elementen ist – also zu entscheiden, was hineingehört und was weggelassen wird, einschließlich wichtiger Linien, Formen und Winkel. Auch eine fokussierte Skizze kann vermitteln, wo Sie sich befinden. Urban Sketchers, „Workshop 20: What to Leave Out, What to Leave In – Capturing a Sense of Place“

Abschnitt 9

Ein einfacher Check vor dem Schließen des Skizzenbuchs

Stellen Sie sich drei Fragen: Lässt sich das Hauptmotiv anhand seiner großen Formen erkennen? Stimmen die wesentlichen Proportionen und Überschneidungen mit meiner Beobachtung überein? Habe ich mindestens eine Korrektur vorgenommen, indem ich zur Szene geschaut habe, statt mich auf das Foto oder die Erinnerung zu verlassen? Wenn Sie diese Fragen mit Ja beantworten können, hat die Sitzung ihren Zweck erfüllt. Behalten Sie die Seite als Zeugnis Ihrer Wahrnehmung und wählen Sie einen konkreten Aspekt aus, den Sie beim nächsten Mal ausprobieren möchten.

Der Übergang von Referenzfotos zum Skizzieren vor Ort verlagert den Moment, in dem Entscheidungen getroffen werden: Bereiten Sie sich mit dem Foto vor, aber lassen Sie Bildausschnitt, Proportionen und Details durch die direkte Beobachtung korrigieren. Ein vertrauter Blickwinkel, ein Thumbnail und einige gezielte Vergleiche bieten einen verlässlichen Einstieg, ohne dass der erste Ausflug zu einer Prüfung für perfekt ausgearbeitete Zeichnungen werden muss.

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Quellen

Art UK, „Berthe Morisot and Impressionism“: https://artuk.org/learn/learning-resources/berthe-morisot-and-impressionism
Artists Network, „Plein Air Landscape Painting: Your Guide to Getting Started“: https://www.artistsnetwork.com/art-subjects/plein-air/plein-air-landscape-painting-your-guide-to-getting-started/
National Gallery of Art, „Lesson: Drawing Everyday Objects“: https://www.nga.gov/educational-resources/lesson-drawing-everyday-objects
National Gallery of Art, „Mindful Drawing: Activities that Embrace Experimentation“: https://www.nga.gov/stories/articles/mindful-drawing-activities-embrace-experimentation
Urban Sketchers, „Urban Sketchers’ Manifesto“, im Chapter Application Guide (PDF): https://urbansketchers.org/wp-content/uploads/2024/01/USk-Chapter-Application-Guide.pdf
Urban Sketchers, „Workshop 20: What to Leave Out, What to Leave In – Capturing a Sense of Place“: https://urbansketchers.org/2016/02/10/workshop-20-what-to-leave-out-what-to_28/
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